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Amazon Alexa – der nächste Schritt in der Mensch-Maschine-Interaktion?

Alexa ist endlich in Deutschland angekommen – und in meinem Wohnzimmer. Für das in den USA bereits seit zwei Jahren verfügbare und durchaus erfolgreiche Spracheingabe-Betriebssystem von Amazon konnte man vor einigen Monaten auch in Deutschland eine Einladung anfordern. Kurz vor Weihnachten bekam ich dann tatsächlich besagte Einladung und habe mir direkt Amazon Echo, die Amazon-eigene Hardwarekomponente auf der Alexa läuft, bestellt. Der Preis liegt im Moment bei fairen 179 Euro, eine kleinere Variante für 59 Euro, die ohne eigene Lautsprecher daherkommt, ist ebenfalls verfügbar.

Was Alexa und Echo können

Einfach erklärt ist Alexa ein Sprachassistent und tritt in direkte Konkurrenz zu Siri von Apple, Cortana von Microsoft und den Google Assistenten. Alexa geht im Verbund mit dem Echo allerdings einen Schritt weiter als genannte Systeme da es sich fast ausschließlich auf die Interaktion durch Sprache fokussiert. Zwar gibt es eine App für Mobilgeräte auf der Anwendungsentwickler Text-Zusatzinformationen darstellen können, doch das Ziel ist es diese Funktion nicht zu benötigen. Wer will schon frei mit dem Echo reden können und dann doch wieder sein Smartphone zücken müssen.

Nach der einfachen Einrichtung (hierfür wird die App und ein Amazon-Konto benötigt) habe ich natürlich sofort mit allerhand Funktionen herumexperimentiert und bin durchaus angetan von den Möglichkeiten die Alexa und Echo out-of-the-box bieten. Einfache Fragen nach der Zeit oder dem Wetter werden problemlos beantwortet und Antworten zu enzyklopädischen Fragen (z.B.  Wer ist Angela Merkel) bringen das Gerät nicht ins schwitzen. Insbesondere die Integration von Amazon Music ist sehr gelungen und man bekommt immer irgendwie zur Anfrage passende Musik aus den für meine 30 qm mehr als ausreichend starken Boxen des Echo. Das Mikrofonsystem funktioniert ebenfalls ausgezeichnet und es ist kein Problem, Alexa aus größerer Entfernung, mit dem Gerät im Rücken oder bei starken Nebengeräuschen (Musik, Fernseher etc.) zu nutzen.

Besonders gespannt war ich darauf, wie gut die verfügbare Sprachein- und ausgabe auf deutsch funktionieren würde, schließlich ist deutsch die erste echte Fremdsprache (nach UK englisch) die Alexa beigebracht bekommen hat. Oft funktioniert die Erkennung sehr gut, selbst wenn man mal ein wenig in Dialekt oder Umgangssprache verfällt allerdings scheint es immer mal wieder Wörter zu geben, die Alexa selbst bei deutlichster Aussprache missinterpretiert. Auch die Reaktionszeit nach dem Startwort (wählbar zwischen Alexa, Echo, Amazon) könnte noch einen Ticken besser sein. Bisher bin ich immer gezwungen eine kurze Pause zu machen, damit Alexa mich auch sicher versteht.

Erweiterungen durch Skills

Eine der Gründe wieso ich für Alexa ein größeres Potential sehe als für die Konkurrenz ist die Erweiterbarkeit durch Apps, die Amazon Skills getauft hat. Von einem Skill Boom sind wir im deutschen Sprachraum natürlich ein paar Wochen nach Release noch weit entfernt: es gibt ein paar Dutzend Skills die sich meistens auf sehr einfache Funktionen und Zugriffe von speziellen Datenbanken (Witze, Rezepte, News etc) beschränken. Das Erstellen eines Skills ist allerdings sehr einfach und spätestens wenn Amazon eine Monetarisierungsmöglichkeit anbietet (Im Moment sind alle Skill per se kostenlos) wird sich das sicher ändern. Ich selbst habe zu Testzwecken bereits einen eigenen Skill erstellt, den ich euch in einem späteren Beitrag vorstellen möchte.

Weiter Möglichkeiten durch Skills sind die Anbindung von Spotify als Ersatz für den Amazon eigenen Dienst, die Verbindung mit Kalendern, die in meinem Falle mit Google sehr gut funktioniert hat oder der Hörbuchdienst Audible.

Richtig spannend wird ein System wie Alexa allerdings erst dann, wenn man es mit einem anderen großen digitalen Trend verknüpft – der Heimautomation. Seien es die Lichtsysteme von Phillips oder Osram, Heizungsregelungen wie Nest oder irgendein anderes WLAN-fähiges Gerät: Eine einfache Steuerung per Sprache wird jeder einem anderen Eingabegerät vorziehen – wenn sie denn gut funktioniert. Da ich bisher keine solchen Geräte besitze kann ich dazu kein Urteil abgeben, meine bisher guten Erfahrungen mit Echo und Alexa animieren mich allerdings bereits dazu über den Kauf von Lightify-Produkten nachzudenken, obwohl ich solchen Systemen bisher immer eher ablehnend entgegenstand.

 

Alexa Kaufen? Ja oder Nein ?

Meine Antwort ist ganz klar: Ja – in einem Jahr!

Ich kann mir kaum eine Nutzergruppe vorstellen, die nicht von so einem System profitieren würde, sobald einmal geeignete Skills zur Verfügung stehen. Kinder können spielend Lernen ohne sich ums Tablet zu streiten oder eine komplexe Oberfläche verstehen zu müssen. Weniger Computer affine Menschen bekommen mit Alexa einen für sie zugänglichen Weg zur digitalen Welt. Selbst meine Oma könnte Alexa nach der Zeit oder dem Wetter fragen oder mir eine Nachricht als SMS schicken. Auch im Geschäftsumfeld kann ich mir vorstellen, wie viel einfacher ein Sprachassistent funktionieren kann, wenn er richtig eingesetzt wird. Von der Terminverwaltung über Protokollführung bis hin zum Triggern eines Builds – Alles Dinge, die eigentlich keine grafische Oberfläche benötigen.

Natürlich ist bis dahin noch ein weiter Weg und Amazon muss Gas geben was den Funktionsumfang angeht. Neben dem Fehlen von Skills und konnektierbarer Hardware sind mehr Sicherheitsfunktionen nötig (z.B. Stimmerkennung) und die Sprachverarbeitung muss noch schneller und unsensibler werden.

Ich bin mir sicher, dass sich 2017 in diesem Bereich sehr viel tun wird und man am Ende schon ein gutes Gespür dafür haben wird, welches System sich gegen die Anderen durchsetzt und wohin es die Entwicklergemeinde zieht. Amazon steht dabei aus meines Sicht im Moment am besten da was auch an den vielen Neuerungen, die aktuell auf der CES im Zusammenhang mit Alexa präsentiert werden, zu sehen ist. Für mich ist das System auf jeden Fall jetzt schon eine Bereicherung und ich freue mich darauf, es mehr und mehr einzusetzen.

PS: Das Thema Datenschutz klammere ich an dieser Stelle bewusst aus, da es ein politisches ist und damit für diesen Beitrag und meinen Blog irrelevant.

 

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